Altes Objektiv an neuer Kamera

Alte Objektive neues Leben schenken

Hallo an alle meine Leser! Mein letzter Blogpost ist nun eine ganze weile her. Leider war meine Zeit überaus begrenzt (Arbeit und Privat), sodass ein neuer Post nicht gepasst hat. Nun hab ich wieder Zeit um dieses Beitrag zu veröffentlichen.

Seit geraumer Zeit beschäftige ich mich mit alten Objektiven, seitdem ich auf eine Vollformat-Kamera umgestiegen bin. Neue Optiken für diesen Kameratyp, sei es für Canon oder Nikon, sind unfassbar teuer und erfüllen oft nicht meine Anforderungen an das Fotografieren. Sie bieten eine hohe Abbildungsqualität, wirken oft aber auch sehr austauschbar, bieten keinen großen Reiz. Durch meinen Opa, kenne ich auch die Vorzüge von historischen Linsen, die Aufgrund ihrer oft nicht Perfektheit ein interessantes Bild erzeugen. Mich interessierte es sehr, wie Fotos wirken die auf diese weise aufgenommen wurden.

alte Kameraschätzchen
Alte Schätzchen, aufgenommen mit einem Meyer Domiplan 2.8/50mm

In einem großen Fotografieblog, las ich einen Artikel über das Meyer Trioplan 2.9/50 sowie 2.8/100 das vom Hersteller neu aufgelegt wurde für moderne Kameras, mit unfassbaren 1299€ bzw. 1499€. Ich fiel aus allen Wolken als ich diesen Preis gesehen hab und suchte bei ebay nach einer anständigen Alternative und stieß auf das 60 Jahre alte Original für knapp 100€, samt Macro-Tubes. Natürlich hat dieses kein modernes Canon EF Bajonette, sondern ein antiquiertes Exakta-Bajonette. Zum Glück gibt es Adapter, dachte ich mir und kaufte auch den passende Exakta zu EF (Vollformat)-Adapter für rund 50€. Dieser hat eine zusätzliche Linse und ist etwas höher, damit das Objektiv nicht an den Spiegel stößt.

Pusteblume
Die erste Aufnahme mit dem 60 Jahre alten Meyer Trioplan f2.9/50

Das war für mich der erste Einstieg in die Wiederverwendung alter Optiken. Solch Konstruktion ist natürlich nichts für Laien-Fotografen die nur im Automatik-Modus fotografieren, denn diesen gibt es hier nicht! Blende, Belichtungszeit sowie Fokus müssen komplett manuell eingestellt werden. Gerade bei der Verwendung vom Exakta-Adapter ist ein gutes Auge erforderlich, denn über den Suchen können die roten Fokushilfspunkte nicht verwendet werden.

Manueller Schärfefokus mithilfe von Magic Lantern

Für Canon-Nutzer gibt es aber eine gute Abhilfe. Vom Hersteller „Canon“ wird diese Methode zwar nicht gerne gesehen aber unter Fotografen und Videofilmer kommt dies gerne zur Anwendung: Magic Lantern. Magic Lantern ist eine alternative Firmware die von der Speicherkarte geladen wird. Diese überschreibt daher nicht die Originale und verschwindet, nachdem man die Speicherkarte gezogen hat.

Mit Magic Lantern, lässt sich auf dem Display der Schärfebereich anhand von Farbmarkierungen gut erkennen. Das erleichtert das manuelle Fokussieren, braucht aber auch etwas länger.

Weitere Informationen zu Magic Lantern: https://de.wikipedia.org/wiki/Magic_Lantern_(Firmware) sowie hier http://www.magiclantern.fm/. Die Verwendung solcher alternativen Firmwares geschieht auf eigene Gefahr!

M42 Schraubgewinde an Canon EF

Eine Alternative zu Exakta und Co., ist auch das M42 Schraubgewinde was bei einer Vielzahl an Objektiven – gerade aus dem Hause Carl Zeiss Jena / Pentacon zum Einsatz kommt. Hier sind die Adapter deutlich günstiger und bieten auch einen sogenannten Dandelion-Chip. Mit diesen lässt sich der Fokusbereich über den Sucher durch die roten Punkte besser erkennen sowie die Belichtungsmessung in der Kamera ist möglich.

Altes Objektiv an neuer Kamera
Zwei Adapterringe für das M42 Gewinde, mit und ohne Dandelion-Chip

Adapterringe gibt es auch ohne diesen Chip, preislich macht dies keinen großen Unterschied und ehrlich gesagt auch keinen großen Sinn. Gerade die, ich nenne es mal „Halbautomatik“ durch die Dandelio-Erweiterung, vereinfacht das Fotografieren mit alten Optiken.

Woher alte Optiken bekommen?

Das ist mitunter ein sehr heißes Thema: Viele wirklich gute Optiken werden auch bei Ebay für viel Geld gehandelt. Meist sind diese trotzdem weitaus günstiger als ihre modernen Brüder. Durch meine Familie, die alle was mit Fotografie zu tun hatten, sind einige Optiken zusammengekommen die sich z.B.im Keller langweilten. Auch Flohmärkte sind ein guter Tipp. Viele Privatpersonen verkaufen ihre alte Schätzchen für wenig Geld, meist dann aber mit der dazugehörigen Kamera. Das lohnt sich trotzdem – denn den Kamerabody kann man bei nicht gefallen weiter verkaufen. Auch dafür gibt es einen kleinen Markt.

Praktica-Kameras
Zwei alte Schätzchen, warum nicht wiederverwenden?

Um den Wert zu schätzen, nutze ich tatsächlich Google, schaue was andere Nutzer über das Objektiv schreiben, oft sogar mit Beispielbildern und den Preis bei ebay. Es gibt auch dicke Wälzer und Datenbanken in denen der Wert exakt bestimmt ist, diese sind aber aus meiner Sicht kein verlässlicher Ratgeber, da Preise oft sehr schwanken können und viele Optiken sind auch aktuelle „Modeerscheinung“ wie z.B. die überaus primitive, hässliche „Holga Lens“. Aus meiner Sicht totaler „Hipster“-Schrott.

Welche Optiken hab ich mir zugelegt:

Ich habe tatsächlich vorab eine Wunschliste aufgestellt, was mich an Linsen interessiert. Hier mal ein kleiner Zusammenschnitt mit vorhandenen Optiken sowie Wünsche:

  • Meyer Trioplan 2.9/50 (Exakta-Bajonette)
  • Meyer Domiplan 2.8/50mm (Exakta-Bajonette, primitive Optik)
  • Pentacon auto 1.8/50mm (M42 Schraubgewinde)
  • Beroflex 35mm f/2.8 (M42, war kein Wunsch, ein Geschenk, mittelmäßige Optik)

Wünsche

  • Meyer Trioplan 2.8/100 (M42 Schraubgewinde)
  • Carl Zeiss Jena Tessar odr Flektogon (M42 Schraubgewinde)
  • uvm.
Babyhand
Detailaufnahme mit dem Meyer Trioplan f2.9/50

Experimentierfreudigkeit

Generell gibt es alle möglichen Adapter, auch für sehr exotische Anschlüsse. Hier sollte man sich aber für maximal 1-2 Systeme entscheiden, es sei denn, ihr habt wirklich seltene Optiken und wollt diese auch weiter verwenden.

Neueinsteiger sollten auf jeden Fall, viel Geduld und Experimentierfreudigkeit mitbringen. Sicherlich werden die ersten Fotos überhaupt nichts werden, es Bedarf einiges an Einarbeitungszeit um tatsächlich sinnvolle Resultate zu erzielen.


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