Home Alexanderplatz zum Strausberger Platz (1961 – 1964)

Alexanderplatz zum Strausberger Platz (1961 – 1964)

von berlinartdesign

Berlin ist eine spannende Stadt mit aufregender Geschichte. Durch meinen Opa habe ich zahlreiche tolle Fotografien geerbt die einst er oder auch mein Ur-Opa aufgenommen hatten und gerade Berlin steht hier im besonderen Fokus. Daher werde ich zukünftig den ein oder anderen Beitrag dazu schreiben um euch auf eine kleine Zeitreise mitzunehmen.

Den Anfang macht die heutige Karl-Marx-Allee vom Alexanderplatz zum Strausberger Platz. Wir reisen zurück in die 1960er Jahre, genau die Zeit in der sich das Gesicht dieser Straße besonders gewandelt hat. Wir befinden uns im Abschluß der Bauphase 3, dazu gibt es bei Wikipedia eine tolle Karte damit ihr euch für diesen Beitrag besser orientieren könnt: https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Marx-Allee#/media/Datei:Grafik_Karl-Marx-Allee_Clio_Berlin.jpg. Die sozialistische Regierung der DDR nannte dieses Bauvorhaben “internationale Moderne”, wobei sich “International” eher auf die Ostblock-Staaten berief um ganz genau zu sein, auf den großen, sozialistischen Bruder die UdSSR mit ihren Prachtstraßen in Moskau.

Unsere Tour beginnt am Haus des Lehrers, hier im Jahr 1964 zum “Deutschlandtreffen”. Der Baubeginn war im Jahr 1961 und fertiggestellt wurde das Gebäude dann erst 1964. Was die Straßenbahn im Bild verdeckt: Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme, war das Erdgeschoss noch eine Baustelle wie das nachfolgende Bild zeigt.

Wir drehen uns ein Stück, als Fixpunkt bitte die Reklame “BZ am Abend” nehmen die an der Hauswand an der linken Seite hängt (Bild davor mit Straßenbahn und Gebäude).

Dieses Bild ist 2-3 Jahre Älter. Am linken Rand ist gut das Minol-Haus zu sehen was 1968 abgerissen wurde. Heute verläuft auf dem Gebäudekomplex die geradlinig verlängerte Karl-Marx-Allee. Rechts neben dem Minol-Gebäude stand bis 1949 die Georgenkirche, die aufgrund starker Beschädigungen im 2. Weltkrieg gesprengt wurde.

Drehen wir uns weiter nach Links, sehen wir diese große Kino-Reklametafel der Progress Film:

Durch die Werbung für den Film “Die Prozession zur heiligen Jungfrau” lässt sich gut das Alter des Bildes bestimmen. Es wurde im Jahr 1962 aufgenommen. Das komplette Gebäudeensemble ist heute Geschichte.

Die großen Umbauarbeiten der Grunerstraße mit dem Neubau des Verkehrstunnel sind zu dem Zeitpunkt noch in der Zukunft gelegen. Hier wurde mit dem Bauarbeiten erst 1967 begonnen.

Wir gehen die Karl-Marx-Allee in Richtung Strausberger Platz zum U-Bahnhof Schillingstraße.

Auf der linken Seite sieht man noch gut die Altbauten und rechts die Neubauten im “Internationalen-Design”. Die Baustellen neben dem U-Bahnhof Eingang ist das Kino International.

Gerade die Baugeschwindigkeit ist absolut beeindruckend. In wenigen Jahren hat sich das Bild der Straße geändert. Wo zahlreiche Altbauten standen, viele aber auch im Krieg zerstört, wuchs eine moderne Wohnsiedlung, mit einem Kino, Cafés und zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten, heran. Natürlich sollte die Karl-Marx-Allee die östlichen wie auch westlichen Länder beeindrucken, nicht umsonst fanden hier große Veranstaltungen oder Aufmärsche statt.

Sobald wir die Straße etwas weiter laufen, kommen die imposanten Eckgebäude des Strausberger Platzes ins Sichtfeld. Mit dem Umbau der Karl-Marx-Allee vom Strausberger Platz bis zum Alexanderplatz wurde ein Stilwandel vollzogen um einerseits Kosten zu sparen und andererseits auch vom Zuckerbäckerstil weg zu kommen, der ab 1960 “altbackend” wirkte, obwohl Jahre zuvor der Abschnitt vom Strausberger Platz zum Frankfurter Tor so bebaut wurden. Dieser Wandel vollzog sich ab 1961 auch mit der Umbenennung der Straße in Karl-Marx-Allee die zuvor Stalinallee hieß.

Hier mal ein sehr gutes Vergleichsbild Anfang der 60er Jahre. Die Altbauten stehen noch aber die rechte Straßenseiten ist schon umgebaut. Das Café Moskau ist schon zu erkennen.

Gefeiert wurde hier gerne und üppig. Im Hintergrund zu sehen ist der Abschnitt Richtung Frankfurter Tor in bereits erwähnten Zuckerbäckerstil. Das Bild ist damit auch der Abschluß dieser kurzen Zeitreise und wir sind beim Titelbild angekommen.

Es zeigt die Bebauung im fast komplettierten Zustand. Einige Kräne sind noch im Hintergrund zu sehen und die Blickrichtung ist zum Strausberger Platz. Die beiden Türme sind sozusagen die Eckgebäude der Straße. Schön anzusehen sind auch die beiden Reklametafeln von Pentacon Kameras und ORWO. Das Bild wirkt in schwarz/weiß einfach wunderschön, oder was meint ihr? Hinterlasst gerne einen Kommentar, ich würde mich Freuen.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei meiner Familie bedanken, die mir die große Sammlung an Fotos übergeben haben, um diese für die Nachwelt zu erhalten und zu digitalisieren.

Demnächst gibt es noch viel mehr.

Euer Steffen

Fotos: © Archiv Ostermaier/Löggow

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